Schulgleiter SG 38 und der Autoschlepp

Schulgleiter SG 38 und der Autoschlepp


Die Autoschlepp-Ausbildung

Die unbestätigte Ausbildungsrichtlinie zum Autoschlepp ist als Erweiterung der DAeC-Richtlinie "Die Segelflugausbildung - Methodik, Richtlinien und Bestimmungen" von mir erstellt wurden. Sie erweitert das Handbuch um die Anlage E Autoschlepp. Weitere Hinweise vom DAeC zu dieser Schleppart sind in der SBO und den Startwindenfahrerbestimmungen zu finden.


Der Autoschlepp

Einerseits kann das Zugfahrzeug den Schulgleiter an einem fest angeschlagenem Seil ähnlich wie bei einem Drachenstart vorwärtsziehen, wobei das Flugzeug an Höhe gewinnt. Das Schleppen über eine Umlenkrolle ist sinnvoll, um den notwendigen Platz zu verringern. Da die Länge des Seil relativ kurz ist, sind auch die erreichbaren Auskuppelhöhen eher gering. Bei 1000m Schleppstrecke können aber durchaus 300m Höhe erreicht werden.

Um die Kräfte und Geschwindigkeiten von Flugzeug und Zugfahrzeug besser anpassen zu können, kann eine zusätzliche Abrollwinde auf dem Zugfahrzeug installiert werden, die während des Schlepps langsam Seil nachgeben kann und so die Auskuppelhöhe effektiv verbessern kann.

Ausführung

Ich persönlich bevorzuge die in Tschechien übliche Methode des Autoschlepps mit einem dehnbaren Schleppseil (15% Dehnung), bei dem das Straffen des Schleppseils dynamisch erfolgt. Die Leistungsdaten des Schleppfahrzeuges spielen fast keine Rolle mehr, allein Bodenbeschaffenheit und Windkomponente sind zu beachten und in die Schlepptechnik zu integrieren.

Autoschlepp

Die ausgelegte freie Seillänge des Schleppseils ist von der Bahnlänge abhängig. 400m Schleppstrecke sollten dem Schleppfahrzeug möglich sein, bei einer Bahnlänge von 800m beträgt die ausgelegte Seillänge also 400m, ab 1000m Bahnlänge kann das gesamte Seil (600m beispielhafte Seillänge) ausgelegt werden.

Nach Startfreigabe beobachtet der Pilot das korrekte Ablaufen des Schleppseiles und kuppelt bei Unregelmäßigkeiten aus.

Beim Seilstraffen durch das Schleppfahrzeug ist zu beachten, daß dies nicht schneller als ca. 45km/h erfolgt, damit die sich aufbauende Seilspannung nicht zu abrupt aufgeladen und dementsprechend auch Sekunden später nach dem Abheben abrupt entladen wird.

Hat sich das Seil gestrafft, muß das Schleppfahrzeug weiter beschleunigt werden. Damit wird der Tendenz entgegen gewirkt, daß die Seilspannung zuerst den Schulgleiter schnell beschleunigt und in die Luft bringt, dann jedoch schnell nachläßt und ein unangenehmes "Loch" im Seilzug in ca. 30m Höhe entstehen lässt. Ab diesem Zeitpunkt ist der Schlepp wie ein Windenstart fortzuführen. Es sollte durch den Piloten nicht vergessen werden, nach Erfordernis selbst auszukuppeln.

Die Schleppgeschwindigkeit richtet sich allein nach der Windgeschwindigkeit. Bei viel Wind braucht die Schleppgeschwindigkeit nur wenig bis auf ca. 50km/h erhöht werden, bei wenig Wind sollten dann schon ca. 60km/h gefahren werden. Die Windgeschwindigkeit muß also von der maximalen Fluggeschwindigkeit abgezogen werden, um auf die optimale Schleppgeschwindigkeit zu kommen.

Die Kontrolle erfolgt durch Rückblick des Schleppfahrzeugführers bzw. mitfahrenden Beobachters. Steigt der Schulgleiter nur schlecht, ist möglicherweise die Schleppgeschwindigkeit zu gering und entsprechend anzupassen.

Für die Bedienung des Schleppfahrzeuges ist laut SBO ein Windenfahrerschein nebst Einweisung notwendig.


Kleine Knotenkunde

Im Zusammenhang mit dem Gummiseilstart und dem Autoschlepp ist es hilfreich, einige Knoten legen zu können. Dabei haben sich zwei Knoten als besonders hilfreich herausgestellt, der Palstek und der Webleinstek.

Palstek

PalstekDer Palstek ist ein Knoten, der für das Legen von Schlaufen und Einbinden von Ringen geeignet ist. Notfalls lassen sich auch Seilenden miteinander verbinden. Die Besonderheit liegt aber vor allem darin, daß der Knoten nach Gebrauch problemlos wieder zu öffnen ist. Ich verwende den Knoten beispielweise dafür, das Halteseil zwischen Flugzeug und Falle beim Gummiseilstart zu binden. Eine Schlaufe wird durch die vorgesehene Rumpföffnung geführt, das andere liegt direkt in der Falle. Die andere Anwendung ist die Verwendung als Vorseil des Gummiseils (Ausführung als Y-Seil anstelle des einfachen V-Seils).

  1. Man lege mit dem losen Ende eine kleine, überhändige Schlaufe (liegt über dem festen Ende).

  2. Man lasse eine große Schlaufe liegen und führe das lose Ende von unten in die Schlaufe aus 1.

  3. Das lose Ende wird unter dem festen Ende geführt.

  4. Am Schluß ist das lose Ende wieder von oben in die kleine Schlaufe aus 1 zu führen.

  5. Festziehen.


Webleinstek

WebleinstekDen Webleinstek wende ich beim Autoschlepp an. Wird das Schleppseil nicht vollständig ausgezogen, muß das Seil "ohne loses Ende" an der Kupplung angebracht werden. Dazu kann der Webleinstek über die Kupplung geworfen werden (Mastwurf) und der Seilrest im Kofferraum verbleiben.

  1. Man lege zwei kleine Schlaufen vertikal übereinander.

  2. Die untere Schlaufe wird über die obere Schlaufe gelegt.

  3. Beide Schlaufen sind jetzt auf die Kupplung zu legen.

  4. Festziehen.

Erfahrungsberichte


Autoschleppstarts auf dem Flugplatz Reinsdorf

Am 6.07.2008 wurde unter Anleitung von Harald Meier aus Schönhagen, mit freundlicher Unterstützung des ansässigem Aero Clubs Berlin e.V. sowie Mitgliedern des Fliegerclubs Schönhagen e.V. eine Ausbildung zum Autoschlepp mit dem Schulgleiter SG 38 D-1511 erfolgreich durchgeführt.

Der Autoschlepp selbst ist relativ unspektakulär. Das Anschleppen und Abheben wird wie beim F-Schlepp gesteuert, nur mit dem Unterschied, daß die Beschleunigung abhängig vom Wind geringer sein kann. Nach dem Abheben erreicht das Flugzeug schnell die notwendige Geschwindigkeit für den Steigflug mit hohem Anstellwinkel, dann fühlt es sich wie ein Windenstart an und wird genauso ausgesteuert. Entsprechende Vorschriften des Windenstarts gelten hier sinngemäß.

Geschleppt wurde mit einem Seil von 400m Länge, ausgestattet mit Sollbruchstelle und Fallschirm. Nach ca. 600m Schleppstrecke wurden ungefähr 100 Höhenmeter erreicht, die maximalen Auskuppelhöhen von bis zu 250m bei relativ starkem Seitenwind wurde nach ca. 1000m Schleppstrecke erreicht.

Eine notwendige Voraussetzung für die Ausführung von Autoschlepps ist eine sichere Sprechverbindung zwischen Schleppfahrzeug und Startleiter. Diese ist entsprechend zu testen, da unter anderem standortabhängige Phänomene wie die Abschirmung der Funksignale innerhalb des Schleppfahrzeugs auftreten können.

Autoschleppstarts in Stankov, Tschechien

In Tschechien wird der Autoschlepp unter Anleitung von Jiri Lenik etwas anders ausgeführt. Das Schleppfahrzeug beschleunigt bereits im ungestrafften Seilzustand auf seine anfängliche Schleppgeschwindigkeit von windabhängig ca. 50km/h. Das ausgelegte Seil strafft sich durch seine Elastizität zügig, aber nicht abrupt. Der Schulgleiter beschleunigt schnell und hebt ebenfalls zügig ab. Für den Schleppfahrzeugführer ist nach dem Abheben des Schulgleiters zu beachten, die Schleppgeschwindigkeit nun auf ca. 60km/h zu erhöhen, um das sich entspannende Seil straff zu halten. Ansonsten kann es vorkommen, daß der Seilzug am Schulgleiter in 30m Höhe recht unangenehm nachlässt.

Der Vorteil dieser Schleppmethode liegt auf der Hand: Die Beschleunigungswerte des Schleppfahrzeugs sind für den Schleppvorgang nicht relevant. Auch relativ schwach motorisierte Fahrzeuge können problemlos verwendet werden. Damit entspricht diese Art der Ausführung eher vollständig dem Windenstart. Die angegebenen Geschwindigkeiten sind natürlich stets windabhängig.